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1. Was ist ein Ganglion?

Ganglien (Überbeine) sind die im Bereich der Hand und des Handgelenkes am häufigsten zu findenden gutartigen Tumore (Schwellungen). Ganglien gehen von Gelenkkapseln und Sehnenscheiden aus, es sind kugelförmig-ovale, teilweise sackförmige Gebilde mit einem Stiel, der sie mit einer Gelenkkapsel oder einer Sehnenscheide verbindet. Sie sind mit einer flüssigen bis gallertartigen, meist klaren Substanz gefüllt. Bei der Untersuchung entsteht so der Eindruck eines Wasserkissens oder einer prall-elastischen Schwellung. Ganglien können an allen Gelenken und Sehnenscheiden von Hand und Handgelenk auftreten.

Es gibt bevorzugte Lokalisationen eines Ganglions:

  • Am Übergang Handgelenk – Handwurzel streckseitig – speichenseitig
  • Am Übergang Handgelenk- Handwurzel beugeseitig – speichenseitig
  • In der Höhe der Langfingergrundgelenke beugeseitig als sog. Ringbandganglion
  • Im Bereich der Langfingerendgelenke streckseitig als sog. degenerative Gelenkzyste (Mukoidzyste) im Rahmen degenerativer Gelenkveränderungen (Heberden-Arthrosen)
  • Im Handrückenbereich, ausgehend von Strecksehnenscheiden, hier auch Hygrom genannt

2. Welche Symptome und welche Beschwerden sind Hinweise auf ein Ganglion?

Je nachdem, ob ein Ganglion am Handgelenk oder Finger auftritt, variieren Symptome und Beschwerden. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen werden häufig genannt. Untrügliches Zeichen ist der typische Knubbel oder eine Blase von weicher, elastischer Textur. Auch bei einer unspezifischen Schwellung am Handgelenk kann es sich um ein Ganglion handeln.

Zeichen und Symptome der unterschiedlichen Ganglien:

1. Handgelenksganglion (Abb. 1, 2)

  • Größe: unterschiedlich, selten jedoch über 2 cm Durchmesser
  • Schmerzen: unabhängig von der Größe (auch kleine Ganglien können wehtun); selten ist der Schmerz erstes Zeichen eines noch nicht sichtbaren, entstehenden Ganglions
  • Bewegungseinschränkung: abhängig von Schmerz und Größe des Ganglions, jedoch selten
  • Kosmetische Störung: in Abhängigkeit von Größe und Lage des Ganglions.
Ganglion am Handrücken
Abb. 1: Ganglion am Handrücken
Schemazeichnung zur Erklärung von Ganglien, in diesem Fall streckseitiges Ganglion (auch 'Strecksehnenhygrom) und eines beugseitig Ganglions

2. Ringbandganglion (Abb. 3)

  • Größe: unterschiedlich, in der Regel nicht über 1 cm Durchmesser
  • Schmerzen: typischer Druckschmerz beim Greifen des Lenkrades, des Fahrradlenkers, eines Türgriffes etc.
  • Bewegungseinschränkung: in Abhängigkeit von Größe und Schmerz, jedoch selten
Schemazeichnung zur Erklärung von Ganglien wie Ringbandganglion und beugseitiges Handgelenkganglions
Abb. 3: Ringbandganglion

3. Degenerative Gelenkzyste (Abb. 4)

  • Größe: unterschiedlich, in der Regel 0,5–1,0 cm
  • Schmerzen: unabhängig von der Größe, meist überlagert vom Schmerz bei der zugrunde liegenden Arthrose des betroffenen Fingerendgelenkes
  • Bewegungseinschränkung: meist verursacht durch die Arthrose
  • Nagelfehlwachstum: je nach Lage der Zyste zur Nagelwurzel
Degenrative Gelenkszyste
Abb. 4: Degenerative Gelenkszyste

4. Strecksehnenhygrome

  • Größe: unterschiedlich, wechselnd, können wesentlich größer als Ganglien werden
  • Beschaffenheit: im Gegensatz zu Ganglien eher weich-elastisch
  • Schmerzen: unabhängig von der Größe, eher selten
  • Bewegungseinschränkung: selten
  • Kosmetische Störung: in Abhängigkeit von Größe und Lage des Hygroms

3. Wie stellt man ein Ganglion fest?

In der Regel sichern die typische Vorgeschichte (Anamnese) und die klinisch-handchirurgische Untersuchung mit Feststellung der beschriebenen Symptome die Diagnose. Die Haut über dem Ganglion ist in der Regel gut verschiebbar, das Ganglion selbst hängt der Gelenkkapsel oder der Sehnenscheide fest an und ist nur gering verschiebbar. Die Größe der Ganglien kann zu- und abnehmen, zeitweise können sie spontan kleiner werden und auch dauerhaft verschwinden. Eine endgültige Diagnose ist nur möglich durch Punktion des Tumors mit Gewinnung der typischen Flüssigkeit oder durch die operative Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung. Die feingewebliche (histologische) Untersuchung ist erforderlich, da außer Ganglien auch andere gutartige und sehr selten (!) bösartige Tumore erscheinen können. Um Verletzungen oder Veränderungen der Knochen und/oder Gelenke vor einer Operation abzuklären, ist eine Röntgenuntersuchung der betroffenen Region erforderlich.

4. Wie behandelt man ein Ganglion?

Da es sich immer um gutartiges Gewebe handelt, entscheiden meist subjektive Faktoren über ein konservatives oder operatives Vorgehen. Die Intensität von Schmerz und Bewegungseinschränkung spielt dabei eine ausschlaggebende Rolle, ebenso der Grad der kosmetischen/ästhetischen Beeinträchtigung.

1. konservativ

  • Punktion: In ca. 50 % der Fälle muss mit einem Wiederauftreten gerechnet werden!
  • Ruhigstellung (mittels Schiene): Eine Besserung der Schmerzen kann selten erreicht werden, eine Rückbildung des Ganglions ist nicht zu erwarten.
  • „Verlaufsbeobachtung“: Keine eigentliche Therapie, bei fehlendem Schmerz und geringer kosmetischer Störung aber durchaus zu vertreten.

2. operativ

Bei störenden Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkung sowie bei kosmetischer Behinderung ist die Indikation zum operativen Vorgehen gegeben. Die bei Handgelenksganglien eventuell vorhandenen Schmerzen können nicht in allen Fällen auf das Ganglion zurückgeführt werden, eine andere Ursache sind zum Beispiel Kapsel-Band-Instabilitäten. In solchen Fällen verschwinden oder bessern sich die Schmerzen durch die Operation nicht. Auch bei korrekter OP-Technik und Nachbehandlung muss in 10–20 % der Fälle mit einem Wiederauftreten an gleicher Stelle gerechnet werden.

Ganglien, in der Alltagssprache „Überbeine“ genannt, sind gutartige Tumore im Bereich der Hand und des Handgelenkes.
Man kann sie konservativ oder chirurgisch behandeln

5. Welche Narkoseform ist für die Operation eines Ganglions notwendig?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Operation schmerzfrei durchzuführen. Ihr Narkosearzt wird Ihnen diese Möglichkeiten eingehend erläutern. Degenerative Gelenkzysten im Bereich der Fingerendgelenke werden in Betäubung des Fingers (Leitungsanästhesie nach Oberst) operiert.

6. Welche OP Techniken gibt es?

Das Abtragen eines Ganglions ist ein standardisiertes Verfahren. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant und die Patienten können nach der Operation wieder nach Hause entlassen werden.

Ablauf der Operation:

  • Hautschnitt
  • Darstellung von Nerven und Gefäßen im Unterhautfettgewebe
  • Darstellung von Sehnenscheiden und Sehnen
  • Freilegung des Ganglions bis auf seine innerste Schicht
  • Präparation des Ganglions bis zum Verbindungsstiel zur Sehnenscheide oder zur Gelenkkapsel
  • Abtragen des Ganglions, Einsenden des OP-Präparates zur histopathologischen (feingeweblichen) Untersuchung
  • Der Defekt in der Gelenkkapsel oder der Sehnenscheide kann bei kleinem Durchmesser des Stieles mittels Naht verschlossen werden, größere Defekte werden offen gelassen und
    vernarben.
  • Abschließende Kontrolle auf Unversehrtheit der freigelegten Strukturen.
  • Wundverschluss, Hautnaht
  • Steriler Kompressionsverband
  • Ganglien: Ruhigstellung mittels Gipsschiene für 14 Tage. Hygrome, Ringbandganglien und degenerative Gelenkzysten: keine Ruhigstellung

7. Wie ist die Nachbehandlung nach einer Ganglion-Operation?

Der Patient kann nach der Operation nach Hause gehen. Die Finger, insbesondere der Daumen, und das Handgelenk sollen bewegt, jedoch nicht belastet werden. Striktes Hochhalten für 4–5 Tage nach der Operation ist unbedingt erforderlich, um Nachblutungen und/oder Schwellungen zu vermeiden (Hand immer über Herzhöhe).

Die operierte Hand sollte mehr oder weniger ständig in Kopfhöhe hochgehalten werden, halbstündlich für 2–5 Min. hoch ausgestreckt über den Kopf, im Sitzen und Liegen auf Kissen gelagert über Herzniveau. Ziel: weniger Nachblutung, weniger Schwellung, weniger Schmerzen, bessere Wundheilung

  • 1. Tag nach der OP:
    Gips- und Weichteilkontrolle (auch beim Haus- oder überweisenden Arzt möglich)
  • 5.–7. Tag nach der OP:
    Verbandwechsel (auch beim Haus- oder überweisenden Arzt möglich)
  • 14. Tag nach der OP:
    Abnahme der Gipsschiene, Beendigung der Ruhigstellung, Verbandwechsel und Entfernen der Fäden (auch beim Haus- oder überweisenden Arzt möglich).
  • 1 Tag nach dem Entfernen der Fäden:
    Ein Verband ist nicht mehr nötig. Beginn mit regelmäßigen (3–4 x tgl.) Übungen im kalten Wasser (ggf. unter Zusatz von Eiswürfeln). Kälte reduziert die Schwellung, nimmt den Schmerz. Patienten, die Kälte nicht vertragen, nehmen lauwarmes Wasser.
  • 5 Tage nach dem Entfernen der Fäden:
    Beginn mit der Narbennachbehandlung: Narbe 4–5 x tgl. mit Ringelblumensalbe (oder einer anderen fetthaltigen Salben) dünn einreiben (massieren), die Narbe wird weicher, weniger schmerzhaft und besser belastbar („Abhärtung“ der Narbe). Unterstützen kann man diesen Effekt auch durch Beklopfen der Narbe, z.B. mit einer weichen Bürste.

Krankengymnastik und/oder Ergotherapie sind bei vielen Patienten nicht erforderlich, werden aber bei Auftreten von Bewegungseinschränkungen sofort eingesetzt.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel 3 bis maximal 4 Wochen.

8. Welche Komplikationen können nach der Operation eines Ganglions auftreten?

Seltene Probleme nach der Operation eines Ganglions sind Wundheilungsstörungen. Diese sind in nahezu allen Fällen unproblematisch. Schwere Infektionen, die eine erneute Operation erforderlich machen, sind äußerst selten. Verletzungen der Funktionsstrukturen wie Sehnen oder Nerven kommen bei ordnungsgemäßer und sorgfältiger Durchführung der Operation so gut wie nie vor. Bewegungseinschränkungen der Hand oder Finger sind unseren Patienten bislang unbekannt.

9. Wie ist die Prognose bei einem Ganglion?

In der Regel besteht nach der Operation von Handgelenksganglien 3–4 Wochen nach der OP wieder Arbeitsfähigkeit. Ein Rückgang der vom Ganglion ausgehenden Schmerzen kann in manchen Fällen ausbleiben. Nach der OP von Ganglien im Handgelenksbereich können Schmerzen und Bewegungseinschränkung in Abhängigkeit von Bewegung und Belastung noch für einige Wochen anhalten. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wird hierdurch meist nicht beeinflusst.

Nach der OP von Strecksehenhygromen und Ringbandganglien sind die Schmerzen in aller Regel verschwunden, 2–3 Wochen nach der OP besteht Arbeitsfähigkeit und die Patienten können wieder voll belasten. Narbenbeschwerden verschwinden weitgehend innerhalb der ersten 6–8 Wochen. Nach 3–6 Monaten klagen die Patienten nicht mehr über Narbenschmerzen. Ihren endgültigen Zustand hat die Narbe etwa 12 Monate nach der OP erreicht.

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