Hernienoperationen Leistenbruch Nabelbruch

Im breiten Spektrum der durchgeführten Operationen in der Chirurgie im Stühlinger bilden die Hernien-Operationen einen Schwerpunkt. Wir führen pro Jahr ca. 450 Hernienoperationen durch. Deshalb verstehen wir uns als Hand- und Hernienzentrum und bieten die erforderliche Kompetenz für alle gängigen und etablierten OP-Methoden an.

Heutzutage gibt es nicht ein Verfahren für alle Patienten, sondern es sollte für jeden Patienten die geeignete OP-Methode und das geeignete Anästhesieverfahren gewählt werden. Das Alter unserer Patienten variiert zwischen 6 Wochen und 80 Jahren. Für die Hernienoperationen gilt: Konventionell offen oder endoskopisch, mit und ohne Netzimplantat. Alle beteiligten Ärzte operieren nach standardisiertem Verfahren. Um in allen Tätigkeitsbereichen einen standardisierten Betriebsablauf zu gewährleisten, haben wir 2004 ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, das nach DIN ISO 9001:2000 zertifiziert ist.

1. Was ist eine Hernie (Eingeweidebruch)?

Eine Hernie (= Bruch, griech.: Knospe) ist eine Ausstülpung des Bauchfells durch eine Gewebeschwäche in der Bauchwand. Überschreitet die Hernie den Bauchraum, wird sie an der Körperoberfläche durch eine Vorwölbung sichtbar. Die Gewebeschwäche der Bauchwand ist in den allermeisten Fällen angeboren. Hernien können im Bereich der Leiste, des Nabels, der Bauchmittellinie oder überall, wo einmal eine Operation vorgenommen wurde, auftreten. Entsprechend nennt man sie Leistenhernie, Nabelhernie, Bauchwandhernie oder Narbenhernie.

2. Wer bekommt eine Hernie?

Die Leistenhernie tritt meistens beim Mann auf, da der Hoden noch vor der Geburt durch die Bauchwand (Leistenkanal) in den Hodensack wandern muss und dabei eine Schwachstelle in der Bauchwand zurücklässt. Diese natürliche Schwachstelle kann sich allmählich erweitern, eine Vorwölbung wird sichtbar und tastbar.

Auch an anderen Stellen der Bauchwand kann eine Gewebeschwäche vorhanden sein. In diesem Fall ist ein erhöhter Bauchinnendruck z.B. beim Heben schwerer Lasten, bei Schwangerschaft oder Übergewicht ein begünstigender Faktor für die Entwicklung von Hernien. Eine Hernie kann bei Männern, Frauen und Kindern jeden Alters entstehen.

3. Anzeichen und Symptome

Hauptsymptom eines Bruches ist die Bruchgeschwulst, eine sicht- oder tastbare Vorwölbung unter der Haut. Beschwerden können beim Aufstehen, beim Husten, bei körperlicher Belastung und in der Leiste auch beim Autofahren (längerem Sitzen) auftreten.

4. Selbstheilung?

Hauptsymptom eines Bruches ist die Bruchgeschwulst, eine sicht- oder tastbare Vorwölbung unter der Haut. Beschwerden können beim Aufstehen, beim Husten, bei körperlicher Belastung und in der Leiste auch beim Autofahren (längerem Sitzen) auftreten.

5. Krankheitsfolgen und Gefahren

Kann eine Vorwölbung nicht mehr in die Bauchhöhle zurückgedrückt werden (nicht reponible Hernie), sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Die Hauptgefahr ist die Einklemmung eines Bruches. Grundsätzlich kann sich jeder Bruch einklemmen, die Gefahr ist umso größer, je enger die Bruchlücke (Schwachstelle) in der Bauchwand ist.

Wenn ein Darmteil in der Bruchlücke eingeklemmt ist und von der Blutversorgung abgeschnitten wird, nennt man dies eine eingeklemmte oder inkarzerierte Hernie. Dies ist eine Notfallsituation, in der nur die unmittelbare Operation helfen kann.

Heutzutage ist die chirurgische Versorgung das Standardvorgehen bei der Behandlung von Hernien.
Viele Eingriffe können endoskopisch erfolgen.

6. Operationsverfahren

Eine dauerhafte Beseitigung lässt sich ausschließlich durch eine Operation erreichen. Alle Bruchoperationen (Hernienreparationen) erfolgen grundsätzlich nach den gleichen Prinzipien:

  • Darstellung der Bruchlücke
  • Versorgung des Bruchinhaltes
  • Verschluss der Bruchlücke
  • Verstärkung der Bauchwand durch ein Kunststoffnetz

Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die sich vor allem über den Zugang durch die Bauchwand unterscheiden. Zu Vor- und Nachteilen informieren wir Sie gerne in einem persönlichen Aufklärungsgespräch.

Krankheitsbilder und ihre Behandlungsmethoden

Für die Operation einer Hernie gibt es unterschiedliche Operationstechniken. Wenngleich die Implantation eines Kunststoffnetzes (Mesh) als Goldstandard gilt, so konkurrieren bei der Versorgung der Leistenhernie weiterhin die herkömmlichen Nahtverfahren mit dem Mesh-Verfahren. Alle diese Verfahren sind für den Patienten wenig belastend. Sie unterscheiden sich in der Narkoseform, den möglichen intraoperativen Komplikationen, eventuell beim Ausmaß der postoperativen Beschwerden und im Hinblick auf mögliche Langzeitfolgen.

In der Chirurgie im Stühlinger wird daher ein auf das individuelle Risiko des einzelnen Patienten abgestimmtes Verfahren angewendet. Neben der Bindegewebsbeschaffenheit werden die Größe und Art des Bruches sowie weitere bekannte Einflussfaktoren für das Entstehen eines Wiederholungsbruches in die Entscheidungsfindung mit einbezogen.

1. Leistenhernie/Leistenbruch

Ein Leistenbruch kann angeboren sein oder durch Lockerung des Bindegewebes bzw. eine Muskelschwäche in der Leistenregion entstehen. Ein natürlicher Defekt der Bauchwand – der innere Leistenring – weitet sich auf und es entsteht eine Lücke, in die Bauchorgane hineingleiten können.

Man unterscheidet folgende Formen des Leistenbruches:

  • Direkter (mediale) Leistenbruch
    Er durchsetzt die Bauchdecke auf direktem Wege. Es besteht keine unmittelbare Beziehung zum Samenstrang.
  • Indirekter (laterale) Leistenbruch
    Er findet sich im Kindesalter meist bei einer fehlenden Verklebung des Processus vaginalis, einer Bauchfellausstülpung im Gefolge des natürlichen Hodendescensus, die sich in der Regel bis zum 2. Lebensjahr verschließt. Beim Erwachsenen kann es sich darüber hinaus auch um eine erworbene Erweiterung des inneren Leistenringes handeln.
  • Hodenbruch (Skrotalhernie)
    Der Bruchsack gleitet mit seinem Inhalt bis in den Hodensack herunter.

2. Operationstechniken bei der Leistenhernie

Zimmerman/Marcy:
Liegt eine kleine laterale Bruchlücke vor, muss die Hinterwand des Leistenkanals nicht vollständig rekonstruiert werden. Häufig reicht eine Naht mit körpereigenem Gewebe im Bereich des defekten Bereiches. Dies ist besonders häufig bei jungen Männern der Fall.

TIPP (transinguinale präperitoneale Plastik):
Bei diesem Verfahren wird von außen über einen Leistenschnitt der Raum zwischen Bauchfell und Muskulatur präpariert und dort ein Kunststoffnetz zum Verschluss der Bruchlücke platziert.

TAPP (transabdominale präperitoneale Plastik):
Bei der laparoskopischen Hernienoperation wird im Rahmen einer Bauchhöhlenspiegelung die Bruchlücke unter dem Bauchfell aufgesucht und mit einem Kunststoff-Netz verschlossen. Grundsätzlich ist auch eine beidseitige Operation in einer Sitzung möglich. Diese Operation ist nur in Vollnarkose möglich.

Kindliche Leistenhernie:
Da bei der kindlichen Leistenhernie kein Defekt der Bauchdecke vorliegt, ist der alleinige Verschluss der Bauchfellausstülpung ausreichend. Daher ist dieser Eingriff auch schnell und unproblematisch durchzuführen und wird ambulant durchgeführt.

3. Leistenbruch bei Frauen

Die Bruchlücke liegt in der Leistenregion unterhalb des Leistenbandes unmittelbar neben den großen Blutgefäßen des Oberschenkels. Diese Bruchform ist besonders häufig bei Frauen und hat ein hohes Risiko der Einklemmung. Sie wird in der medizinischen Fachsprache Schenkelhernie genannt.

Operation
Der Defekt kann über einen Zugang oberhalb oder unterhalb des Leistenbandes verschlossen werden. Die Indikation zur Verstärkung der Bauchdecke mit künstlichem Material ist aufgrund der relativ hohen Rezidivrate großzügig zu stellen. Alternativ kann die Bruchlücke auch laparoskopisch, das heißt über eine Bauchhöhlenspiegelung, verschlossen werden.

4. Nabelbruch

Im Nabelbereich besteht ebenfalls eine Schwachstelle der Bauchdecke, die zur Bruchbildung führen kann. Bei Neugeborenen und Kleinkindern tritt diese Form der Hernie bei jedem fünften Kind auf, bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g sogar in 80% der Fälle. Kindliche Nabelhernien verursachen nur in den seltensten Fällen Komplikationen, in 90% kommt es sogar innerhalb der ersten zwei Jahre zu einem spontan Verschluss, sodass keine Operation notwendig ist.

Die Nabelhernie des Erwachsenen hingegen kann Symptome hervorrufen, die von gelegentlichem unspezifischem Ziehen im Mittelbauch bis hin zu lebensbedrohlichen Einklemmungen von Darmschlingen in der Bruchpforte reichen.

Operation
Es handelt sich um einen relativ kleinen Eingriff, der gut in örtlicher Betäubung durchführbar ist. Die Bruchlücke wird bei einem Durchmesser unter drei Zentimeter durch Nähte verschlossen. Liegt ein größerer Defekt vor, sollte die Bauchdecke mit einem Kunststoff-Netz verstärkt werden, um das Risiko eines Rezidivs zu senken.

5. Epigastrische Hernie

Hier liegt ein Defekt in der Mittellinie der Bauchdecke oberhalb des Nabels vor.

Operation
Es handelt sich um einen relativ kleinen Eingriff, der gut in örtlicher Betäubung durchführbar ist. Die Bruchlücke wird bei einem Durchmesser unter drei Zentimeter durch Nähte verschlossen. Liegt ein größerer Defekt vor, sollte die Bauchdecke mit einem Kunststoff-Netz verstärkt werden, um das Risiko eines Rezidivs zu senken.

6. Narbenbruch

Die Ausbildung eines Narbenbruches gehört zu den häufigen Langzeit-Komplikationen nach einer Operation mit Eröffnung der Leibeshöhle.

Operation
Da der Entstehung eines Narbenbruches definitionsgemäß eine Operation mit in der Regel Nahtverschluss der Bauchwunde vorangegangen ist, muss bei diesen Patienten von einer gestörten Narbenbildung ausgegangen werden.

Offensichtlich ist die Versorgung des Defektes mit alleiniger Naht von körpereigenem Gewebe nicht ausreichend, was in vielen Studien mit hohen Wiederholungsraten von bis zu 50% bestätigt wurde. Vielmehr kann eine langfristige Stabilität nur erreicht werden, wenn die Bauchdecke mit einem Kunststoffnetz verstärkt wird. Um einen hohen Schutz vor einem Rückfall-Bruch zu erreichen, muss dabei das Netz die gesamte Narbe in alle Richtungen um mindestens 5 cm überlappen.

Die Implantation des Kunststoffnetzes in der so genannten retromuskulären „sublay“ Position hat sich dabei als Standardverfahren etabliert. Diese Operationen sind jedoch nur in Vollnarkose möglich und bedingen eine großflächige Präparation in der Bauchwand.

Fragen und Antworten

1. Welche Risiken sind vorhanden?

Beim Mann kann der feine, etwa 2 mm dünne, Samenstrang verletzt werden oder Blutgefäße, die den Hoden versorgen.

In beiden Fällen leidet dadurch die Fruchtbarkeit, auch wenn der verbliebene gesunde Hoden immer ausreichend Samen produziert. Die Potenz wird dadurch in keiner Weise beeinträchtigt.

Der Wundschmerz ist vor allem in den ersten zwei Tagen ziehend und bei körperlicher Anstrengung noch bis zu zwei Wochen spürbar. Das Narbenareal ist manchmal durch Verziehen der Hautnerven etwas taub und klopf-schmerzhaft, was sich erst nach längerer Zeit legt. Zum Vermeiden eines Hämatoms (Bluterguss) wird bei der Operation ein Schlauch eingelegt, der am Folgetag entfernt wird. Große, über Jahrzehnte laufende Studien zeigen ein Wiederkehren des Bruches bei allen operativen Techniken in ca. 10-20%.

2. Wann und wie kann man seinen Körper wieder belasten?

Damit sich eine feste und stabile Narbe im Bereich der operieren Leistenregion bilden kann, dürfen Sie in den ersten drei Wochen nach der Operation keine schweren Lasten heben. Auch abrupte Bewegungen sollten vermieden werden. Das selbständige Steuern eines PKW empfehlen wir erst nach zwei Wochen. Die Arbeitsunfähigkeit richtet sich nach Ihrer Tätigkeit und beträgt im Schnitt 3 bis 4 Wochen.

3. Wann kann man wieder Sport betreiben?

In Abhängigkeit von der unterschiedlichen Belastung der Leistenregion durch verschiedene Sportarten empfehlen wir ab der vierten Woche leichte Sportarten wie Schwimmen und Wandern, ab der sechsten Woche dann mittelschwere wie Fahrradfahren und leichtes Joggen, ab der zwölften Woche sind alle Ballspiele sowie jeglicher Leistungssport möglich.

4. Wann kann man wieder Intimverkehr haben?

Intimverkehr ist ab der dritten Woche möglich, falls kein Bluterguss bzw. Schwellung im Operationsgebiet mehr vorliegt. Bei Männern sollte auch ein anfangs immer geschwollener Hoden wieder abgeklungen sein.

5. Was ist beim Stuhlgang zu beachten?

Da zu starkes Pressen die Naht belastet, sollten Sie auf weichen, regelmäßigen Stuhl achten (ggf. nehmen Sie ein leichtes Abführmittel) und außerdem ausreichend trinken.

6. Wie pflege ich die Wunde und behandle sie nach der Heilung?

Grundsätzlich ist der Wundschmerz bei jedem Patienten unterschiedlich. Er sollte spätestens nach drei Wochen abgeklungen sein. Das Duschen der Wunde ist ab dem dritten Tag erlaubt, trocknen Sie sich danach gut ab ohne zu frottieren (tupfen oder föhnen) und massieren Sie die Naht ab der zweiten Woche durch sanft kreisende Bewegungen, um die Haut der Narbe elastisch zu machen.

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